Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Ratgeber · Erwachsene
Unterstützte Kommunikationnach Schlaganfall und bei Aphasie
Nach einem Schlaganfall ist von einem Tag auf den anderen nichts mehr wie vorher. Oft ist auch die Sprache betroffen: Wörter fehlen, Sätze lassen sich nicht bilden oder die Aussprache ist kaum verständlich. Unterstützte Kommunikation, kurz UK, hilft Ihnen, sich wieder mitzuteilen, ergänzend zur logopädischen Therapie.

Wie verändert ein Schlaganfall die Kommunikation?
Ein Schlaganfall kann die Sprache auf unterschiedliche Weise beeinträchtigen. Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst gestört: Wörter fallen nicht ein, werden verwechselt, oder das Verstehen und Lesen fällt schwer. Bei einer Sprechapraxie wissen Betroffene, was sie sagen möchten, können die Bewegungen zum Sprechen aber nicht richtig planen. Bei einer Dysarthrie ist die Sprechmuskulatur geschwächt, die Aussprache wird undeutlich.
Häufig treten mehrere dieser Störungen gemeinsam auf, oft zusammen mit einer Lähmung einer Körperseite. Für Betroffene und Angehörige ist das sehr belastend. Viele erleben, dass sie behandelt werden, als würden sie nichts verstehen, obwohl ihr Denken klar ist.
UK ersetzt die Logopädie nicht, sondern ergänzt sie. Sie schafft eine Verständigung für den Alltag, während Sie in der Therapie an Ihrer Sprache arbeiten.
Hilfsmittel
Welche Kommunikationshilfen passen nach einem Schlaganfall?
Kommunikationsbuch und Tafeln
Bilder, Wörter und wichtige Informationen wie Namen, Adresse oder Medikamente auf Papier. Ein einfacher und sofort verfügbarer Weg, um im Alltag zurechtzukommen.
Talker mit Bildern und Wörtern
Ein Talker mit Symbolen, Fotos und fertigen Sätzen hilft, wenn Wörter nicht abrufbar sind. Er lässt sich mit einer Hand bedienen und an Ihren Alltag anpassen.
Talker mit Tastatur
Wenn Schreiben besser gelingt als Sprechen, liest ein Talker Ihren Text laut vor. Wortvorhersage erleichtert das Tippen mit einer Hand.
Apps zur Unterstützung
Auf dem Tablet gibt es Programme, die Kommunikation im Alltag erleichtern. Wir beraten Sie, welche Lösung zu Ihrer Situation passt.
Mit der Zeit kann sich vieles verändern
Nach einem Schlaganfall erholt sich die Sprache bei vielen Menschen über Monate oder sogar Jahre. Das ist eine gute Nachricht, macht die Wahl der passenden Hilfe aber anspruchsvoll. Was heute nötig ist, kann in einem halben Jahr nicht mehr passen, oder umgekehrt.
Wir schauen uns deshalb genau an, wo Sie gerade stehen und wohin die Reise gehen kann. Wir stimmen uns mit Ihrer Logopädin oder Ihrem Logopäden ab, damit Therapie und Kommunikationshilfe sich ergänzen. Und wir passen die Versorgung an, wenn sich etwas verändert.
Beispiel aus dem Alltag
Wie Frau M. wieder selbst beim Arzt sprechen konnte
Frau M. ist 67 Jahre alt. Nach einem Schlaganfall hat sie eine Aphasie. Sie versteht vieles, findet aber oft die passenden Wörter nicht. Beim Arzt sprach meistens ihr Mann für sie, was sie sehr störte.
Gemeinsam mit ihrer Logopädin stellten wir einen Talker zusammen: mit Fotos aus ihrem Leben, wichtigen Sätzen für Termine und Wortfeldern für Einkauf und Familie. Ihr Mann lernte, ihr Zeit zu lassen und nicht vorschnell zu antworten.
Heute erklärt Frau M. ihre Beschwerden beim Arzt selbst. Sie erzählt ihren Enkeln mit Fotos von früher und hat in der Therapie wieder mehr Mut zum Sprechen.
Typisches, zusammengefasstes Beispiel. Namen und Details sind frei gewählt.
Tipps für Sie und Ihre Angehörigen
- Zeit lassen: Warten Sie geduldig, bis eine Antwort kommt, und beenden Sie Sätze nicht vorschnell.
- Einfach, aber nicht kindlich sprechen: Kurze Sätze helfen, doch das Gegenüber bleibt ein erwachsener Mensch.
- Ja-Nein-Fragen nutzen: Wenn ein Gespräch stockt, helfen Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen.
- Wichtiges griffbereit halten: Namen, Telefonnummern und Medikamente gehören in das Kommunikationsbuch.
- Mit der Therapie verbinden: Die Logopädin sollte die Kommunikationshilfe kennen und gezielt mit einbeziehen.
So begleiten wir Sie
- Erstberatung: kostenlos am Telefon, wir klären Ihre Situation und Ihre Fragen.
- Erprobung: bei Ihnen zu Hause, in der Klinik, Reha oder Pflegeeinrichtung.
- Antrag: Wir stellen den Antrag bei Ihrer Krankenkasse und begleiten Sie bis zur Entscheidung.
- Einweisung: für Sie, Ihre Angehörigen und Ihr Pflegeteam.
- Nachsorge: Anpassungen, Schulungen und persönliche Ansprechpartner, solange Sie uns brauchen.
Wer bezahlt die Kommunikationshilfe?
Talker und andere Kommunikationshilfen sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V. Wenn Sie sich über Lautsprache nicht ausreichend verständigen können, übernimmt in der Regel die Krankenkasse die Kosten, abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung.
Wir übernehmen Erprobung, Kostenvoranschlag und Antrag bei Ihrer Krankenkasse und begleiten Sie, bis die Entscheidung da ist. Auch eine spätere Anpassung an Ihre Fortschritte beantragen wir für Sie.
Sie möchten wissen, welche Hilfe zu Ihnen passt?
In einem kostenlosen Telefongespräch besprechen wir Ihre Situation und die nächsten Schritte.
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Häufige Fragen
Nein. Der Talker ergänzt die Therapie und ermöglicht Verständigung im Alltag, während Sie weiter an Ihrer Sprache arbeiten.
Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst gestört, bei einer Dysarthrie die Sprechmuskulatur. Oft treten beide gemeinsam auf.
Ja. Viele Geräte sind dafür ausgelegt. Wir finden in der Erprobung die passende Bedienung.
Sobald die Verständigung im Alltag nicht ausreicht. Das kann schon in der Reha oder kurz danach sein.
In der Regel ja, die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent, höchstens 10 Euro. Unter bestimmten Bedingungen ist eine Befreiung möglich.
Dann passen wir die Kommunikationshilfe an. Viele Menschen nutzen sie später nur noch in bestimmten Situationen.